„Verliebt, vertraut, verrechnet – Erfolgreiche Altersvorsorge für Frauen ab 50“
Ein Interview mit Autorin Claudia Kneifel
Über Geld spricht man nicht? Claudia Kneifel tut es trotzdem – und das mit Herz, Klarheit und viel Sachverstand. In ihrem Buch „Verliebt, vertraut, verrechnet: Erfolgreiche Altersvorsorge für Frauen ab 50“ beleuchtet die Journalistin ein Thema, das viele lieber verdrängen: Altersarmut bei Frauen.
Sie macht Mut, sich mit Geldfragen offen auseinanderzusetzen und Verantwortung für die eigene Zukunft zu übernehmen. Denn wer seine Finanzen kennt, kann auch im Alter selbstbestimmt leben.
Frau Kneifel, Sie beschäftigen sich als Journalistin und Redakteurin schon länger mit dieser Thematik. Wann wurde Ihnen klar: Das Thema Altersvorsorge für Frauen braucht ein eigenes Buch?
In unserer Redaktion kümmere ich mich um die Themen Altersvorsorge und Rente. Ein Blick auf die Renten von Frauen zeigt sofort, dass hier etwas nicht stimmt.
Die meisten Frauen erhalten nur 300 bis maximal 1200 Euro – zu wenig, um im Alter gut zu leben. Ursache für diese niedrigen Bezüge sind Erwerbsunterbrechungen, Teilzeitarbeit, die berühmte "Care-Arbeit" und der Gender Pay Gap. All das führt dazu, dass Frauen im Alter oft schlechter abgesichert sind.
Der entscheidende Moment kam, als ich im Gespräch mit Freundinnen, Kolleginnen und Leserinnen merkte, wie groß die Unsicherheiten und der Informationsbedarf tatsächlich sind. Viele äußerten Sorgen und fühlten sich von der üblichen Finanzliteratur wenig angesprochen. Mir wurde klar: Das Thema verdient mehr Raum und einen eigenen Zugang.
Ein Buch zu diesem Thema eröffnet die Möglichkeit, speziell die Herausforderungen und Lösungen für Frauen aufzuzeigen – praxisnah, verständlich und ermutigend.
Ist Altersvorsorge aus Ihrer Erfahrung heraus tatsächlich bei Frauen häufiger ein Vermeidungsthema als bei Männern? Warum?
Aus meinen Erfahrungen ist Altersvorsorge bei Frauen tatsächlich öfter ein Vermeidungsthema als bei Männern. Viele Frauen fühlen sich unsicher bei Finanzthemen oder glauben, zu wenig darüber zu wissen. Auch traditionelle Rollenbilder spielen eine Rolle – oft wird Finanzen Männern überlassen. Zudem wirken Erwerbsunterbrechungen und Teilzeitarbeit wie zusätzliche Hürden. Viele Frauen empfinden das Thema deshalb als überfordernd und schieben es lieber weg.
Sobald sie sich aber damit beschäftigen, verschwindet die Angst oft schnell.
Mich interessiert auch die Frau hinter dem Buch: Wie war Ihr eigener Weg in Sachen Finanzen – hatten Sie schon früh ein klares Bild von Ihrer Altersvorsorge?
Ehrlich gesagt hatte ich nicht von Anfang an ein klares Bild von meiner Altersvorsorge. Wie viele andere habe ich das Thema zunächst unterschätzt und aufgeschoben.
Erst als ich beruflich tiefer in Finanzthemen einstieg und die Herausforderungen für Frauen erkannte, beschäftigte ich mich intensiver damit. Ein Termin bei der Rentenversicherung veränderte alles: Ein Berater berechnete meine Rentenansprüche, inklusive aller Abzüge wie Kranken- und Pflegeversicherung. Da wurde mir klar: Das wird nicht reichen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mit drei Kindern bereits zehn Jahre in Teilzeit gearbeitet. Ein Gespräch zur Altersvorsorge bei der Rentenversicherung kann ich jeder Frau empfehlen. Nach dem Gespräch stockte ich sofort meine Arbeitszeit auf.
Der Titel Ihres Buches hat mich sofort angesprochen: „Verliebt, vertraut, verrechnet.“
Viele Frauen kennen das Szenario: Sie überlassen ihrem Partner das Finanzmanagement – und erleben im Alter eine böse Überraschung. Glauben Sie, dass die Generation meiner Mutter (50er-Jahrgang) noch stärker betroffen war als heutige Frauen? Und: Wird das Problem mit den nachfolgenden Generationen kleiner?
Frauen der 1950er-Jahrgänge haben oft sehr kleine Renten. Damals regelten Männer vielerorts die Finanzen. Viele Frauen konnten sich nicht um ihre Altersvorsorge kümmern, da sie oft nicht berufstätig waren oder ihr eigenes Geld nicht verwalten durften.
Bei jüngeren Generationen hat sich die Situation verändert. Frauen verdienen häufiger ihr eigenes Geld, sind selbständiger und beschäftigen sich mehr mit Finanzthemen. Es gibt mehr Vorbilder, mehr Informationen und ein wachsendes Bewusstsein für finanzielle Eigenverantwortung.
Dennoch bestehen Herausforderungen, etwa durch Teilzeitarbeit oder unbezahlte Care-Arbeit. Das Problem wird mit den kommenden Generationen vermutlich kleiner, verschwindet aber nicht von selbst.
Auch heute überlassen viele Frauen die Finanzplanung dem Partner, besonders wenn Kinder da sind. Es ist wichtig, das Thema weiterhin aktiv zu adressieren und Frauen zu ermutigen, sich selbst um ihre Finanzen zu kümmern.
Ihr Buch richtet sich besonders an Frauen ab 50. Wenn ich nun mit Mitte 50 feststelle, dass ich bisher kaum etwas für meine Altersvorsorge getan habe – ist es dann noch realistisch, ein stabiles Polster aufzubauen?
Auch mit Mitte 50 ist es nicht zu spät, sich um die Altersvorsorge zu kümmern. Zwar sind die Möglichkeiten begrenzter als mit 30, doch Sie können noch viel erreichen.
Entscheidend ist, jetzt zu handeln und Ihre Situation zu klären: Was besitzen Sie? Wie groß ist Ihre Versorgungslücke? Wo können Sie sparen oder investieren? Durch gezieltes Handeln – regelmäßiges Sparen, kluge Anlagen oder das Nutzen staatlicher Förderungen – lässt sich oft noch ein solides Polster schaffen. Es lohnt sich auch, die Ausgaben zu prüfen und größere finanzielle Belastungen zu reduzieren.
Die meisten unserer Leserinnen sind selbstständig. In Ihrem Buch widmen Sie auch dieser Gruppe ein eigenes Kapitel. Was raten Sie selbstständigen Frauen in puncto Altersvorsorge – und wovon eher ab?
Mein wichtigster Rat an selbstständige Frauen ist:
Nehmen Sie Ihre Altersvorsorge unbedingt selbst in die Hand und verlassen Sie sich nicht darauf, dass „es schon irgendwie werden wird“. Denn anders als Angestellte zahlen Selbstständige meist nicht automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Auch haben sie in der Regel keine betriebliche Altersvorsorge. Sie müssen sich aktiv um alles selbst kümmern.
Ich empfehle, so früh wie möglich mit der Altersvorsorge anzufangen, selbst wenn es nur kleine Beträge sind. Die Altersvorsorge sollte aus verschiedenen Bausteinen bestehen, zum Beispiel aus einer privaten Rentenversicherung, einem ETF-Sparplan oder Immobilieneigentum. Es ist außerdem wichtig, einen Notgroschen für unerwartete Ausgaben zurückzulegen. Die Rücklagen für die eigene Rente sollten wie ein fester monatlicher Kostenpunkt eingeplant werden.
Wir beobachten immer wieder, dass viele Gründerinnen dazu neigen, ihre Preise zu niedrig anzusetzen. Warum ist das mit Blick auf die Altersvorsorge ein oft unterschätzter Faktor?
Setzen Gründerinnen ihre Preise zu niedrig an, bleibt am Monatsende oft kaum Geld übrig. So fehlt die Grundlage, um in die eigene Altersvorsorge einzuzahlen. Viele unterschätzen, wie stark der eigene Stundensatz oder Projektpreis die langfristige finanzielle Sicherheit beeinflusst.
Wer realistische und angemessene Preise verlangt, kann Rücklagen bilden und regelmäßig für die Rente vorsorgen. Zu niedrige Preise gefährden diese Möglichkeit, weil das Einkommen ständig knapp bleibt.
Sie schreiben: „Die Ära der Lücken beginnt – und hört nicht wieder auf.“ Wenn Frauen Kinder bekommen, gerät die Altersvorsorge oft ins Hintertreffen. Was müsste sich hier gesellschaftlich ändern?
In der Gesellschaft muss sich vor allem die Verteilung von Erwerbs- und Care-Arbeit ändern. Elternzeit, Teilzeit und die Pflege von Angehörigen betreffen oft hauptsächlich Frauen und führen zu Einkommens- und Rentenlücken. Wir brauchen bessere Anreize und Modelle, damit beide Partner die Familienarbeit gerechter teilen.
Zudem sollten wir Betreuungsangebote ausbauen und flexibler gestalten, damit Frauen schneller in den Beruf zurückkehren können. Auch das Renten- und Steuersystem muss stärker an die Lebensrealität von Familien angepasst werden, etwa durch eine bessere Anrechnung von Care-Arbeit.
Was möchten Sie, dass bleibt, wenn die letzte Seite umgeblättert ist?
Ich wünsche mir, dass Frauen nach dem Lesen meines Buches Mut und Vertrauen in ihre eigenen Finanzentscheidungen gewonnen haben. Es ist nie zu spät, sich um die eigene Altersvorsorge zu kümmern – und dass sie die Verantwortung für ihre finanzielle Zukunft selbstbewusst übernehmen können. Idealerweise bleibt am Ende das Gefühl, handlungsfähig zu sein – und vielleicht sogar die Motivation, direkt den ersten Schritt zu machen.
Wir danken Ihnen, liebe Frau Kneifel, für das interessante Gespräch und die hilfreichen Impulse.
Für alle, die jetzt neugierig geworden sind und sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen möchten:
Claudia Kneifel: Verliebt, vertraut, verrechnet: Erfolgreiche Altersvorsorge für Frauen ab 50
ISBN 978-3-8012-0692-5
Erschienen im März 2025 im Dietz Verlag
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